Laudatio Präsident der bpb Thomas Krüger

Laudatio
Prof. Dr. Günter Schade; Kunsthistoriker

Sehr geehrter Herr Prof. Schade,
sehr geehrte Damen und Herren,

Als erstes möchte ich Ihnen, verehrter Herr Prof. Schade, zur Verleihung des Weltfriedenstag-Gedenkpreises herzlich gratulieren. Der Preis ehrt Ihr persönliches Engagement für die deutsche Wiedervereinigung. Zahlreiche Politiker, Regimegegner und Bürgerrechtler sind in diesem Zusammenhang gewürdigt worden. Doch dabei gerät manchmal in Vergessenheit, dass die Einheit ein gesamtgesellschaftliches Projekt in allen Bereichen ist – auch dem der Kunst und Kultur.
Ihr Projekt nach 1989 war die Überwindung der institutionellen Trennung der staatlichen Berliner Museen. Es ist von Außen betrachtet wohl kaum zu ermessen, wie viel Dramatik dieser Teil deutscher Vereinigungsgeschichte barg und wie viele Hürden Sie zu überwinden hatten.
Doch Ihrem Engagement ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Kunstschätze Berlins nach dem Fall der Mauer wieder zusammengeführt werden konnten. Und zwar nicht in Form einer „Übernahme“ der östlichen durch die westlichen Institutionen. Vielmehr nutzen Sie, Prof. Schade, gemeinsam mit Wolf-Dieter Dube, die Chance für die gemeinsame Neugestaltung der Berliner Museumslandschaft, die zweifelsohne eine der bedeutensten Kulturkomplexe der Welt darstellt. Dafür gebührt Ihnen großer Dank.
Herzstück dieses Komplexes ist die Museumsinsel, für die Sie sich nach Ihrer Ernennung 1983 zum Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin (Ost) unermüdlich und gegen heftige Widerstände eingesetzt haben. So konnten Sie nicht nur den Abriss des Neuen Museums verhindern, sondern sogar erreichen, dass Erich Honecker 1985 die Rekonstruktion der Museumsinsel in den Fünfjahresplan aufnahm. Zuvor hatten Sie sich bereits um die Pflege der im Krieg stark geschädigten Kunstwerke auf der Schlossinsel Köpenick verdient gemacht.
Ihr Engagement galt auf höchster Ebene den staatlichen Kulturgütern – vom Staat jedoch haben Sie sich nie vereinnahmen lassen. Sie halfen, den von der SED geplanten, dutzende Millionen schweren Ausverkauf von Kunstwerken aus den Berliner Museen zur Devisenbeschaffung, so gut es ging, abzuwenden. Dafür haben Sie den offiziell untersagten Kontakt zu Ihren Kollegen im Westen hergestellt und gepflegt. Als von dort signalisiert wurde, dass veräußerte Kunstgegenstände von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz aufgekauft würden, damit kein Besitz staatlicher Museen in den kommerziellen Kunsthandel geriet, drohte der Devisendeal für die SED zur Blamage zu werden und wurde abgesagt.
Das hat Ihnen viel Ärger mit dem Ministerium für Kultur eingehandelt, den Sie in Kauf genommen haben. Genauso wie die persönlichen Einschränkungen, die mit ihrer mutigen Haltung verbunden waren. Auch der Staatssicherheit haben Sie mutig widerstanden. Diese Courage war nicht alltäglich, sie war risikoreich und verdient deshalb unser aller Anerkennung. Integere und hoch kompetente Lebenswerke wie Ihres wird man mit zunehmendem Zeitabstand immer mehr zu würdigen wissen.
Für Ihr beispielloses Engagement erhielten Sie in diesem Jahr – elf Jahre nach Ihrer Pensionierung als stellvertretender Generaldirektor der Berliner Staatlichen Museen – das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Der Preis, den Sie heute erhalten, kommt von einem Träger, dessen Arbeit ich seit fast 20 Jahren verfolge und schätze. Umso mehr bedaure ich, an dieser Auszeichnung nicht persönlich teilnehmen zu können. Ich wünsche Ihnen allen einen unvergesslichen Festtag zur Übergabe des Weltfriedenstag-Gedenkpreises 2009.
Thomas Krüger

Rede des Vorsitzenden Claus Bubolz

Sehr geehrte Damen und Herren,

Viele werden sich fragen, warum wir heute, hier und jetzt Professor Günter Schade ehren. Die Begründung hat im Grunde genommen der Senat von Berlin in seiner Verleihung der Würde zum Stadtältesten dokumentiert. Ein Satz sagt für uns alles. Seine großen Verdienste auf dem Schloss Köpenick bei der er sich bei der Pflege der im Krieg stark geschädigten Kunstwerke hervorbrachte. Die Beseitigung von Kriegsschäden ist genauso wichtig, wie das erinnern daran.
Auf seinem Meisterstück geht Thomas Krüger als Präsident der Bundesanstalt für politische Bildung in seinem Statement ein. Sein Schwerpunkt sind die Verdienste bei der friedlichen Wiedervereinigung. Es hätte auch Krieg geben können.
Ein maßgebliches Kriterium für unsere Arbeit ist die Vermittlung von Zivilcourage. Wichtig - um jungen Menschen Zivilcourage vorzuleben, benötigt man auch Vorbilder.
Ein solches Vorbild, - ist der heute hier Ausgezeichnete.
Es gibt Bürger, die praktizieren Zivilcourage, nur wenn diese bezahlt wird.
Genau so, wie es im 1000 jährigen Reich für 12 Jahre viele Bürger gab, die einfach wegsahen oder bereitwillig zum Verbrecher wurden die den 2. Weltkrieg verursachten.
Es ist mutig, sich in einer Diktatur – sich, über den alles beherrschenden Geheimdienst entgegenzustellen. Genau dies tat der heute Auszuzeichnende. Er ließ sich nicht vereinnahmen oder sich gar instrumentalisieren.
Trotz der Tatsache, dass sein Fachwissen und seine internationale Anerkennung ihm damals einen gewissen Schutz und Sonderstatus zubilligte, darf nicht verkannt werden, dass auch er Opfer einer kommunistischen Diktatur hätte werden können.
Wie viele Andere - ohne Namen, ob im beruflichen Bereich oder gar in der eigenen körperlichen Unversehrtheit. Von der „DDR – Freiheit“ brauchen wir hier erst gar nicht zu sprechen. Im Großen war für manchen die DDR ein „goldenes“ Gefängnis, für Andere - im Gefängnis der STASI tatsächliche zum Teil blutige Realität.
Nur weil ich in die gleiche Situation gekommen bin und ich die DDR als goldenes Gefängnis wahrnahm, mag auch ich - dies für Jugendliche dieses glaubhaft zu vermitteln, was Freiheit tatsächlich wert ist. Aufzuzeigen, wie wichtig für jeden Bürger Demokratieverständnis ist.
Wenn wir dies mit Bildung, Kunst, Literatur, Musik sowie Diskussion oder hier bei dieser Preisauszeichnung überzeugend darbieten können, haben wir uns nicht umsonst in dieser Gesellschaft eingebracht.
Lassen Sie mich auf zwei Veranstaltungen hinweisen, die die heutige Würdigung auch rechtfertigen.
Professor Günter Schade hielt schon im Jahre 1996 die Laudatio für die Vorjahres - Preisträgerin Prinzessin Irmingard von Bayern in unsere Galerie. Ausergewöhnlich damals war neben der Würdigung der Künstlerin seine Anklage gegen Faschismus und Krieg. Sie kam so überzeugend rüber, sodass sie auch von Jugendlichen diskutiert wurde. Bemerkenswert.
Dies ist es, im täglichen Kampf gegen Rechts- und Linksextremismus wie er, Prof. Dr. Schade angenommen wurde. Nicht, als wenn man sich damit für einen Tag öffentlich rechtfertigen will.
Prof. Dr. Schade hielt auch das Statement zur Eröffnung unserer damaligen Original Picasso-Ausstellung, erst- und bis jetzt einmalig in Berlin Treptow-Köpenick.
Wir sind uns gewiss, dass er uns bei unseren neuen Picasso -Projekt, das wir nicht aus den Augen verloren haben, uns mit auch hier mit seinem Rat und seiner Tat helfen wird. Picasso diesmal nicht im Original, sondern wir sehen sein aufrüttelndes Werk „Guernica“ als Vorlage an, um dies dann für jugendgemäße Graffitikunst zu nutzen. Jugendliche aus 4 Ländern werden 4 überdimensionalgroße Anklagewerke gegen Faschismus schaffen. In dem SIE „Guernica“ an die 4 Wände produzieren. Was Picasso, damals im Original - an einer - schon so überzeugend geschaffen hat.
Dies wäre Länder und generationsübergreifend und dies kann nur richtig sein.
Dass Sie … durch Ihre leise und ruhige Art, Ihre große menschliche Wärme und Ihre völlig unprätentiöse Haltung zu einer Erfolgsgeschichte in Ihr Wirken geworden sind … schätzt unserer Kulturstaatssekretär Andre Schmitz ein. Letztes Jahr bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse dem ist nichts hinzuzufügen – weil es stimmt ! Klasse.
Ich danke jedem Einzelnem, für sein heutiges Erscheinen, würdigt er doch damit nicht nur den Auszuzeichnenden. Sie gedenken, das Nichtvergessen des Sinnes des heutigen Weltfriedenstages, weswegen wir alle heute Alle hier sind.
Das geschichtliche Wissen hat hier jeder, es an die junge Generation ohne erhobenen Zeigefinger weiterzugeben sollte uns wichtig sein. Da ist noch sehr, sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten, die aus dem Herzen kommen sollte, uns Allen - merkt man dies sicherlich an. Vielen bezahlten Lehrkräften nicht.
Sie lieber Prof. Dr. Günter Schade haben sich unseren Weltfriedenstag – Gedenkpreis 2009 ehrlich verdient. Dafür von uns HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH.
Ihnen allen, Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und dafür donnernden Applaus !